WM Schiedsrichter-Assistent Dietz bei der Assistenten-Elite Bayerns
Was auf nationaler und internationaler Ebene längst Standard ist, hat sich in den vergangenen Jahren auch im Bayerischen Fußball-Verband (BFV) etabliert: die gezielte Spezialisierung von Schiedsrichter-Assistenten. Verantwortet wird dieser Bereich auf Verbandsebene von Simon Marx und seinem Kompetenzteam um Johannes Lorenz und Sebastian Eder. Die Spitze dieser Arbeit bildet der sogenannte DFB-Perspektivkader, dem aktuell zwölf Regionalliga-Assistenten angehören. Ihnen traut das Kompetenzteam den Sprung in die DFB-Ligen zu. Entsprechend intensiv werden sie betreut, ihre Spiele werden ausführlich aufgearbeitet und Inhalte in regelmäßigen Meetings detailliert geschult. Am vergangenen Dienstag kam der Kader zu einem Präsenztreffen in der mittelfränkischen BFV-Geschäftsstelle zusammen.
Bezirksvorsitzender Uwe Mauckner und Bezirksschiedsrichterobmann Siegmar Seiferlein hießen die Assistenten als Gastgeber herzlich willkommen. Für den inhaltlichen Teil hatte das Kompetenzteam einen hochkarätigen Referenten gewonnen: FIFA-Schiedsrichterassistent Christian Dietz. Der langjährige Bundesliga-Assistent zählt spätestens seit seinem Einsatz bei der Weltmeisterschaft in diesem Sommer zu den besten Assistenten weltweit.
Zum Auftakt nahm Dietz die Teilnehmer mit auf seinen Weg bis in die Spitzenligen. Er erzählte von besonderen Highlight-Spielen, von seiner langen Zeit im Team von Deniz Aytekin und von bewegenden Jahren im Team von Felix Zwayer, die ihm unter anderem ein Champions-League-Halbfinale, ein Europa-League-Finale sowie Einsätze bei der FIFA-Klub-WM und der Weltmeisterschaft in den USA bescherten. Die Assistenten erhielten dabei eindrucksvolle Einblicke hinter die Kulissen des Weltfußballs, von dem Gefühl beim Einlaufen zu einem WM-Spiel, über die beeindruckenden Schiedsrichterkabinen bis zum Alltag im WM-Schiedsrichtercamp in Miami.
Doch Dietz sprach nicht nur über Glanzmomente. Offen berichtete er von seiner Verletzung kurz vor der Weltmeisterschaft und davon, wie er mit der Enttäuschung umging, als ein drittes WM-Spiel ausblieb. Seine Botschaft an den Assistentenkader: Sportlicher Ehrgeiz gehöre dazu, mindestens genauso wichtig seien aber Demut und Dankbarkeit, für die Ligen, in denen man unterwegs ist und für jedes Spiel, das man bekommt. Der Blick auf andere solle dabei nicht von Neid geprägt sein. Eine wertvolle Botschaft, die sich unverändert auf den Regionalliga-Bereich übertragen lässt.
Im zweiten Teil seines Referats wurde es fachlich. Dietz zeigte auf, wie vielfältig die Aufgaben eines modernen Schiedsrichter-Assistenten heute sind. Abseits und Linienüberwachung sind nur ein Teil davon: Der Assistent deckt den Rücken des Schiedsrichters ab, behält Trainerbänke und Auswechslungen im Blick und unterstützt per Headset bei Foulspielen, persönlichen Strafen und regeltechnischen Sonderfällen auf dem gesamten Spielfeld. Im Zentrum stand schließlich das Thema, auf das sich der Kader in der laufenden Saison besonders konzentriert: Teamwork. Dietz versteht seine Rolle als "Dienstleister für den Schiedsrichter". Über allem stehe die Gesamtleistung des Teams, nicht die eigene Bewertung. Auf den Punkt brachte er das mit dem Akronym des Wortes TEAM: "together everyone achieves more".
Zum Abschluss wurde es praxisnah. Die Assistenten hatten vorab Szenen zum Thema Teamwork aus ihren eigenen Spielen eingeschickt, die Dietz in vier Kategorien eingeteilt hatte: "Zusammenarbeit bei der Abseitsregelauslegung", "Im Rücken des Schiedsrichters", "Im Dunstkreis des Assistenten" und "Vergehen auf den Trainerbänken". Eine Auswahl der Szenen wurde gemeinsam diskutiert und von Dietz eingeordnet.
Vor und nach dem offiziellen Programm nutzten die Teilnehmer die Gelegenheit zum lockeren Austausch, mit dem Referenten wie auch untereinander. Unterm Strich eine rundum gelungene Veranstaltung: Die Einblicke in den Weltfußball dürften so manchem Assistenten einen zusätzlichen Motivationsschub gegeben haben und auch inhaltlich nehmen alle wertvolle Impulse mit in ihre nächsten Einsätze.
Quell: Valentin Striebich
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