Wagner: "Tests mit Karten für Teamoffizielle vielversprechend"

In der Rubrik "Ich erklär's mal..." erläutern DFB-Schiedsrichter die Entscheidungen und bringen Klarheit in vermeintlich unklare Spielszenen. In der aktuellen Ausgabe spricht DFB-Lehrwart Lutz Wagner über die Änderung in der "Regel 5: Schiedsrichter", die Anfang März von den "Regelhütern" des International Football Association Board (IFAB) und vom Weltverband FIFA beschlossen wurde. In Deutschland gilt diese seit dem 1. Juli.

"Regel 5: Schiedsrichter" besagt: Der Schiedsrichter hat Maßnahmen gegen Teamoffizielle zu ergreifen, die sich nicht verantwortungsbewusst verhalten, wobei er sie ermahnen, verwarnen (Gelbe Karte) oder des Spielfelds und dessen unmittelbarer Umgebung, einschließlich der technischen Zone, verweisen darf (Rote Karte). Kann der Täter nicht eruiert werden, wird die Disziplinarmaßnahme gegen den höchstrangigen Trainer in der technischen Zone ausgesprochen."


Wie schätzen Sie diese Regeländerung ein, Herr Wagner?


Lutz Wagner: Die Tests mit Signalkarten bei Verwarnungen und Feldverweisen für unsportliches Betragen von Teamoffiziellen, also Trainern, Betreuern und Vereinsoffiziellen, verliefen vielversprechend und offenbarten deutliche Vorteile, da deutlich mehr Transparenz erzielt wurde. Die Tatsache, dass im sehr seltenen Fall des Zweifels der höchstrangige Trainer, also der Chef, bestraft wird, dürfte die Suche nach dem wirklich Schuldigen erleichtern. Der vorrangige Gedanke ist jedoch hierbei, dass sich der Trainier für das Verhalten der übrigen Teamoffiziellen verantwortlich fühlt.

Welche entscheidenden Vorteile bringt die Regeländerung mit sich?


Wagner: Wie bereits erwähnt, steht die neugewonnene Transparenz bei dieser Regeländerung an erster Stelle. Alle Beteiligten und auch die Zuschauer bekommen sofort mit, ob ein Trainer beispielsweise nur angesprochen, ermahnt oder verwarnt wurde. So wissen alle gleich, worum es geht. Dieses transparente Vorgehen hat sich auch bei Spielern bewährt.

Werden sich der Umgang und das Verhältnis zwischen Schiedsrichtern und Trainern dadurch verändern?


Wagner: Die Regeländerung bringt eine andere Darstellungsform mit sich, die für mehr Transparenz sorgt. Es sind keine grundlegend anderen Richtlinien oder Regeln aufgestellt worden. Die Möglichkeit einer mündlichen Ermahnung, die deeskalierend wirkt, bleibt bestehen. Wir setzen also weiterhin auf Kommunikation und auf ein gelebtes Miteinander auf und neben dem Platz. Wir erwarten dabei aber auch einen respektvollen und fairen Umgang. Wer die Grundsätze des Fair Play verletzt beziehungsweise respektlos agiert, der muss auch mit Sanktionen rechnen.

Besteht hier die Gefahr, dass Trainer in ihren Aufgaben und in ihrer Arbeit eingeschränkt werden?


Wagner: Überhaupt nicht, das ist in keinster Weise Ziel der Regeländerung. Die fachliche Arbeit und auch das "Mitgehen" mit seinem Team in der Coachingzone sind davon überhaupt nicht betroffen. Emotionen und der Dialog unter den Beteiligten gehören zum Fußball dazu. Es wird nur eingeschritten, wenn ein unsportliches Verhalten durch Teamoffizielle an den Tag gelegt wird. Das ist im Sinne aller Beteiligten, denn wenn ein Trainer durch unsportliches Verhalten Einfluss auf das Spiel nimmt, gefällt das weder dem gegnerischen Trainerkollegen noch will das der Fußball sehen. Es geht schlussendlich nur darum, verantwortungsbewusst und sportlich fair miteinander umzugehen. Wir Schiedsrichter haben ein gutes kollegiales Verhältnis zu den Trainern, und das soll auch so bleiben.

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