Peter Vasel - ein Vorbild auf vielen Ebenen

Wenn jemand 57 Jahre lang seinen Sport in aktiver Funktion begleitet, hinterlässt er Fußspuren. Die Spuren, die Peter Vasel hinterlässt, sind tief. 26 Jahre lang war der Fürther als Schiedsrichter aktiv, zum Teil sogar in der Bundesliga. Dazu kamen 48 Jahre als Sportrichter – und zeitweise hat er beide Ämter gleichzeitig ausgeübt.

 

Die Bestimmtheit, mit der er auf und neben dem Platz agiert hat, hat er sich bewahrt – auf eine sympathische Art. „Ich hab immer versucht, korrekt zu sein und den Spielern zu zeigen, wie der Hase läuft“, meint der 78-Jährige mit Blick zurück auf seine Laufbahn. Dabei müsse man immer auf Korrektheit achten – aber auch auf Respekt: „Wenn ein Spieler mir gesagt hat, wie schlecht ich bin, hat´s aufgehört. Ich kritisiere ihn ja auch nicht, wenn er das Tor nicht trifft.“

 

Sein erstes Spiel gepfiffen hat der frühere Gruppenleiter bei Siemens 1965. Mit 29 Jahren leitete Vasel schließlich zum ersten Mal in der Bayernliga, damals die dritthöchste Spielklasse.

 

ruhe als grundvoraussetzung

 

Der Aufstieg in höhere Ligen dauerte damals noch etwas länger. Mit 38 Jahren folgte 1983 dann die Premiere in der 2. Liga. Die zwei Spielzeiten dort waren für den Fürther persönliche Feste. Premiere feierte er im Schalker Parkstadion – S04 war damals zum zweiten Mal aus der Bundesliga abgestiegen. „Da war richtig viel Stimmung, aber das kannte ich bereits aus der 3. Liga. Ich habe häufiger im Grünwalder Stadion die Spiele vom TSV 1860 München gepfiffen, da war auch immer Remmidemmi.“ Von den Zuschauermassen ließ Peter Vasel sich nicht aus der Ruhe bringen – eine Grundvoraussetzung für Unparteiische: „Die Zuschauer hab ich ausblenden können, schlimmer war es als Linienrichter, wenn die Fans ein oder zwei Meter hinter dir sind. Man hört jedes Wort, denkt sich aber seinen Teil.“

 

Erfahrung im Profisport hatte er bereits zuvor sammeln können. Zwei Jahre vor seinen Einsätzen in der 2. Liga stand er in der Bundeslage als Assistent an der Linie. „Ich war an der Seite bayerischer Schiedsrichtern wie Scheurer, Ermer oder Amerell aktiv. Zunächst waren wir ein festes Team, wie man es heute kennt, dann wurde wieder mehr gewechselt. Wie man es gerade gebraucht hat.“

 

Auch international sammelte Peter Vasel Erfahrungen: als Assistent im Europapokal der Landesmeister. Die Reise in die Sowjetunion wurde zum Abenteuer. Fünf Tage lang war das Team unterwegs: „Es war das Viertelfinal-Rückspiel 1985 zwischen Dnjepr Dnjepropetrowsk und Girondins Bordeaux. Weil Dnjepr in der heutigen Ukraine militärisches Sperrgebiet war, fand das Spiel in Krywyj Rih statt. Wir sind von Nürnberg nach Frankfurt, von dort nach Moskau, dann nach Dnjepr und von dort aus weiter zum Spielort. Das alles war eine sehr aufregende Erfahrung.“

 

Noch bis er 55 Jahre alt war pfiff Peter Vasel Spiele bis zur Kreisliga, dann war Schluss. Stattdessen widmete er sich neben seinem Job vollständig dem Posten als Sportrichter, den er bereits seit 1974 ausübte. Schiedsrichter und Sportrichter zur selben Zeit zu sein war damals eigentlich nicht möglich, doch aufgrund einer Besitzstandregelung durfte Peter Vasel dennoch beides ausüben.

 

Gerechtigkeit als antrieb

 

Die Sportgerichtsbarkeit war ein Job, der ihm großen Spaß bereitete: „Mich hat das Aufgabengebiet interessiert, als damals ein neues Sportgericht aufgestellt worden ist. Auch wenn ich viel Zeit dafür aufwenden musste, habe ich das immer mit Interesse getan, denn ich habe von Haus auf ein Gerechtigkeitsempfinden. Na und das hat sich eben auf 48 Jahre ausgedehnt“, erzählt er mit einem Lachen.

 

„Im Normalfall sind wir einmal in der Woche auf der Geschäftsstelle zusammengekommen und haben die Fälle abgearbeitet. Manches konnte man daheim auch daheim vorbereiten. Als Vorsitzender hat man aber immer die Mehrarbeit, das vorzubereiten.“ Zumindest ist der Prozess heute etwas effizienter: „Früher haben wir die Urteile mit der Schreibmaschine geschrieben und dann per Post verschickt. Heute geht das alles digital und landet schnell im E-Mail-Postfach.“

 

Teilweise gab es pro Jahr über 1000 Fälle zu verhandeln, von Platzverweisen über Nichtantreten eines Vereins bis hin zu Ausschreitungen. „Schwieriger wurde es, wenn es unterschiedliche Meinungen von Auseinandersetzungen gab, dann wird auch mal mündlich verhandelt und man muss die Wahrheit herausfinden. Schwören muss vor dem Sportgericht keiner, aber wenn jemand beim Lügen erwischt wird, gibt es harte Strafen.“

 

Die höchsten Strafen, die der Fürther ausgesprochen hatte, betrugen ein Jahr Sperre – vor allem durch gewalttätige Auseinandersetzungen oder Angriffe auf Spieler oder Schiedsrichter. Diese Fälle könne man an einer Hand abzählen. In insgesamt 48 Jahren hat sich Peter Vasel genauso wie als Schiedsrichter, auch als Sportrichter einen Namen gemacht – eine Zeitspanne, die ziemlich einmalig sein dürfte. „Ich hab den Job erledigt und ihn dann Jahr für Jahr weitergemacht. Ich bin dem Fußball und der Gerechtigkeit verbunden und hatte einfach Spaß an der Sache.“

 

Und auch einen Tipp für junge Schiedsrichter hat er parat: „Geh rein und versuch das Beste draus zu machen. Komplett perfekt geht es eigentlich nicht, denn den fehlerfreien Schiri gibt es nicht. Außerdem ist neben der körperlichen Fitness Durchsetzungsstärke wichtig. Man braucht Rückgrat, denn wenn man nachlässt, spielen die Spieler mit einem Jojo. Und dennoch sollte man immer Mensch bleiben.“

 

Nun hat Peter Vasel seinen Posten als Sportrichter an Heinz Wraneschitz übergeben. Mit einem Lächeln blickt er zurück: „Auch wenn es stressig war, ich würde es alles nochmal so machen. Es war eine schöne Zeit.“ All der Einsatz hat sich gelohnt: Peter Vasel bleibt ein Vorbild für die Schiedsrichter- und Sportgerichtsgilde.

 

Autor: Markus Eigler / Nürnberger Nachrichten

Bildquelle: Heinz Wraneschitz / bildtext.de

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