VSA-Mitglied Sven Laumer zu Gast im Bayerwald

Letzten Freitag stand für unsere „Bayerwald-Schiris“ die nächste turnusgemäße Monatsveranstaltung auf der Agenda. Zahlreiche Schiedsrichter aus der Nachbargruppe Wolfstein um GSO Fabian Kilger nahmen das Angebot an, gemeinsam einen Lehrabend durchzuführen. Als Hauptredner, dieses durch die Pandemie ergebenden Online-Meetings vor knapp hundert Zuhörern, konnte GSO Josef Sigl Gastreferent Sven Laumer vom Verbandsschiedsrichterausschuss begrüßen. 

 


Sven ist seit 1998 Schiedsrichter und gehört der Gruppe Jura Nord (Schwabach) an, er pfiff in seiner aktiven Zeit in der Bayernliga, fungierte in der Regionalliga als Assistent, war ab 2003 Gruppen-lehrwart und anschließend GSO und KSO. Seit 2018, nach seiner aktiven Laufbahn, wirkt Sven als Beisitzer im Verbandsschiedsrichterausschuss mit. 

 


Über „Veränderungen im BFV Schiedsrichterbereich“ referierte der sympathische Franke eine Stunde in der virtuellen Monatsversammlung. Das Motto lautete: „Einzige Konstante im Leben ist die

Veränderung“. 

 


Sven blickte zunächst hinsichtlich der Regeländerungen während Corona zurück. Der Fußball veränderte sich mit dem Virus. Fünf mögliche Auswechslungen pro Mannschaft, also insgesamt zehn neue Spieler verändern die taktische Ausrichtung beider Teams. Der SR muss sich auf ganz andere Taktiken in seiner eigenen Spielleitung flexibler einstellen oder öfters anpassen. Der größte Einfluss aus seiner Sicht ist die Änderung mit dem Abstoß, der kurz ausgeführt werden darf bzw. der Ball den Strafraum nicht mehr verlassen muss. Dies ist meistens heutzutage auch der Fall. Rund um die Strafräume kommt es viel schneller zu Zweikampfsituationen. Das darauffolgende, richtige Stellungsspiel des Schiedsrichters verändert sich. Genauso bei Eckstößen, die allgemein kurz ausgeführt werden, wird teilweise vom Handball übernommen. Eine neue Spielform in der Taktik, aktuell auch in der Bundesliga ersichtlich („Alle auf einem Haufen“), plötzlich kommt der öffnende Ball und dann geht alles sehr schnell, dies erfordert eine erhöhte Sprintfähigkeit jedes Spielleiters. Heimvorteil ohne Zuschauer nicht mehr oder weniger gegeben. Die Emotionen von außen kommen verhältnismäßig deutlich weniger ins Spiel, was zur Folge hat, dass die Fußballspiele um einiges fairer sind. Ein ganz anderer Umgang mit Trainern und Spielern zeichnet sich ab.

 


Die SR-Organe müssen sich aber auch Gedanken machen, wie es nach dem Abbruch weitergeht und wie die kommende Saison gestaltet werden kann. Wichtig wird dabei auch das Votum der Vereine am Wochenende werden, welches auch wichtige Weichenstellungen für den SR-Bereich bedeutet. Wir stellen uns zurecht Fragen wie: „Kommt eine neue Mutante oder wird Corona den Spielbetrieb erneut unterbrechen, wie organisieren wir künftig Leistungslehrgänge - / Prüfungen unter Hygiene-maßnahmen, wie viele SR qualifizieren sich anhand des eventuell veränderten Spielmodells in den einzelnen Ligen?“. Kreative Lösungen hierzu können wir erst final entscheiden, so Laumer.

 


Auch langfristige Trends wie der demographische Wandel, gesellschaftliche Trends oder die Digitalisierung machen vor dem SR-Bereich nicht halt. Corona hat dabei im Bereich der Digitalisierung dem SR-Bereich einen Schub verliehen. Über 1.000 ausgebildete Schiedsrichter*innen im letzten Jahr sowie über 400 online Veranstaltungen sind ein Beleg dafür. Er zeigte ein verändertes Kommunikationsverhalten auf. Die Menschen greifen mittlerweile auf das Internet mehr über ihre

Handys und viel weniger über ihren PC zu. „Schnell und Leben im hier und jetzt!“, heißt die anspruchssteigernde neue Devise. Social Media und mehrere Apps verkürzen die bisherigen Wartezeiten über Anfragen, Aufträge oder wichtige Infos. Das Durchschnittsalter dieser Nutzer liegt bei 42 Jahren und selbst ältere Kameraden nehmen diese Angebote an. Der Fußball generell wird immer digitaler, dies zeigt sich an einigen Beispielen / Planungen aus dem Profibereich und des Verbandes (BFV-Team-App, elektronischer Spielberichtsbogen, Videobeweis, etc.). Live-Berichterstattungen werden längerfristig gesehen selbst in unteren Klassen den Schiedsrichter viel anders in den Mittelpunkt rücken. Einerseits positiv für Coaching-Analysen, andererseits wie geht man mit öffentlich verbreiteter Kritik um? Mit der Kampagne „Wir regeln das“ und „Schiedsrichter.Bayern“ wird der BFV moderner im Erscheinungsbild. 

 


Aber auch die weiteren Themen wie Respekt vor und Anerkennung der ehrenamtlichen Tätigkeit, die Motivation ein Ehrenamt wie das des/r Schiedsrichter*in auszuüben und auch Verantwortung in einer SR-Gruppe zu übernehmen sind nur ein Teil der Herausforderungen, denen sich die Schiedsrichter in den nächsten Jahren stellen müssen.  

Zudem hat er seine Gedanken und die des VSA sowie der AG11 präsentiert und versucht aufzuzeigen, welche Themen in den nächsten Jahren im Vordergrund stehen sollten. 

 


Sven beendete seinen Vortrag mit einer kuriosen Geschichte aus einem Fußballspiel zweier karibischer Nationen, anhand dessen alle Anwesenden schmunzelnd erkennen konnten, dass neben der überwiegenden Mehrheit sinnvoller Regeländerungen gelegentlich sinnbefreite Anpassungen den Fußball negativ beeinflussen können.

 


Nach dem kurzweiligen und sehr interessanten Referat des Mittelfranken richtete unser BSO Robert

Fischer noch ein paar Worte über die derzeitige Situation in Sachen „Qualifikation“ im Bezirk an uns. Er verwies nochmals verstärkt auf einige von Sven Laumer ausgeführten Punkte. Je nach Beschluss der Vereine in den nächsten Tagen (Spielmodus nach Variante 1 oder 2) kann erst im Nachgang über die finale Qualifikation unserer Leistungsschiedsrichter entschieden werden. Desweiteren ging er über die voraussichtlichen Planungen in Sachen veränderte BFV-Strukturaufstellung (bezogen auf Niederbayern) sowie auf die künftige Beobachtereinteilung unserer KL- und BZL-Schiris etwas näher ein.

 


GSO Josef Sigl bedankte abschießend bei VSA-Mitglied Sven Laumer für seinen Vortrag und beendete schließlich die sehr gelungene Online-Veranstaltung mit dem Wunsch, hoffentlich bald wieder Präsenzveranstaltungen unter coronakonformen Bedingungen durchführen zu können. „Persönliche Treffen“ mit unserer momentanen, verstärkten Digitalisierung als Alternative sicherlich nicht vergleichbar. Ebenso gab er bekannt, dass er seine Funktion als GSO zum Ende dieser Periode beenden wird.

 

 

 

Bericht: Stefan Leng

17-05-2021

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