"Frauen können genauso gut pfeifen wie Männer!"

In ganz Bayern sorgen knapp 10.000 Unparteiische dafür, dass die rund 250.000 Amateurfußballspiele pro Jahr unter perfekten Rahmenbedingungen über die Bühne gehen: Eine davon ist Anette Fischer. Die 60-jährige ist noch dazu eine der ältesten noch aktiven Schiedsrichterinnen in Bayern und hat in diesem Jahr bereits 56 Spiele geleitet. Die Oberfränkin ist mittlerweile seit zwölf Jahren an der Pfeife. Im Interview zur BFV-Schiedsrichter-Kampagne #WIRREGELNDAS verrät sie, warum sie sich als Mutter von vier Kindern erst mit 48 Jahren entschieden hat, Schiedsrichterin zu werden und was sie sich von jungen Unparteiischen erhofft.

 

Frau Fischer, Sie haben sich erst mit 48 Jahren dazu entschieden, Schiedsrichterin zu werden. Das ist ungewöhnlich. Wie kam es dazu?

 

Der Grund waren meine Söhne.

 

Warum das?

 

Ich bin Mutter von vier Kindern, davon drei Söhne. Sie haben alle Fußball gespielt und ich habe sie zu jedem Spiel begleitet. Und weil meine Kinder oft nicht auf mich gehört haben und ich bemerkt habe, dass der einzige Ort, an dem sie auf jemanden hören, der Fußballplatz ist, habe ich mit 48 Jahren den Entschluss gefasst: Ich will auch Schiedsrichterin sein! Damit meine Söhne vielleicht öfter mal auf mich hören. Das klingt im ersten Moment vielleicht komisch, ist aber die Wahrheit.

 

Nun sind Sie schon seit zwölf Jahren dabei, ihre Kinder sind mittlerweile erwachsen. Warum sind Sie trotzdem an der Pfeife geblieben?

 

Das Umfeld in meinem Verein passt perfekt. Und auch in meiner Schiedsrichtergruppe fühle ich mich sehr gut aufgehoben. Die Kollegen sind super! Deshalb steht fest: Solange ich es körperlich und konditionell noch schaffe, Schiedsrichterin zu sein, mache ich es auch.

 

Was war das schönste Erlebnis in Ihrer Zeit als Schiedsrichterin?

 

Auf jeden Fall die Partie zwischen der Landesliga-Damenmannschaft des SV Reitsch und einer Behinderten-Auswahl von der Lebenshilfe. Das war das schönste Spiel meiner Karriere als Schiedsrichterin, weil ich es für sehr wichtig halte, dass alle Menschen, egal mit welcher Einschränkung, in unsere Gesellschaft integriert sind. Das war einfach ein tolles Erlebnis für alle Beteiligten. Die Spielerinnen der Behinderten-Auswahl haben sich bei jeder gelungenen Aktion, auch wenn sie nur durch Zufall entstanden ist, sehr gefreut – das war etwas ganz Besonderes.

 

Was sagen sie als "Expertin": Warum sind weibliche Schiedsrichter noch immer in der Unterzahl?

 

Es würde mich freuen, wenn noch mehr Frauen Schiedsrichterinnen werden würden. Ich denke, Frauen können mindestens genauso gut pfeifen wie Männer! Wir müssen aber mehr Präsenz zeigen, um in diese Männerdomäne vorzudringen. Man sieht es ja an Bibiana Steinhaus, die in der Bundesliga nach wie vor die einzige Frau ist. Da geht es zwar jetzt um die Schiedsrichter-Elite, da will ich selbst gar nicht hin. Männer formulieren dieses Ziel: Bundesliga. Aber von Frauen hört man das leider sehr selten. Ich würde mir wünschen, dass sich das ändert.

 

Pfeifen Sie eigentlich lieber Frauen- oder Männer-Spiele?

 

Das ist mir egal, ich mag beides.

 

Was wollen Sie jungen oder neuen Schiedsrichtern mit auf den Weg geben?

 

Zuerst einmal braucht es Durchhaltevermögen. Auch Pünktlichkeit spielt eine Rolle. Aber dann geht es auch darum, die Menschlichkeit nicht zu verlieren. Regeln sind natürlich da, um eingehalten zu werden, trotzdem gehört in der ein oder anderen Situation ein bisschen Fingerspitzengefühl dazu.

 

Foto: Rico Raithel

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