„Einfach Aufhören geht nicht!“

Franz Schwarz ist auch mit 87 Jahren noch topfit. Er spielt in seiner Freizeit nach wie vor Tennis und Fußball. Seine große Passion aber ist das Schiedsrichterwesen. Und das bei Wind und Wetter. Seit mittlerweile 57 Jahren leitet der Referee des SV Wielenbach Spiele und ist damit einer der ältesten noch aktiven Schiedsrichter in Bayern. Ans Aufhören denkt der leidenschaftliche Schiedsrichter aber noch lange nicht. Auch in diesem Jahr hat Schwarz bereits 50 Partien geleitet. Passend zur neuen Schiedsrichter-Kampagne „Wir regeln das“ verrät Schwarz, wie er zum Pfeifen kam, was ihm besondere Freude bereitet, und was sich seiner Meinung nach im Vergleich zu früheren Tagen verändert hat.

Herr Schwarz, seit 1961 sind sie aktiver Schiedsrichter. Warum haben Sie damals den Schiedsrichterschein gemacht?


Das war eigentlich ein ganz banaler Grund. Mein Bruder war Schiedsrichter und hat mich dazu bewegt, auch den Schein zu machen. Damals war ich ja eigentlich noch selbst als aktiver Spieler unterwegs.

Nun ist Ihre Spielerkarriere lange vorbei – an der Pfeife sind Sie aber nach wie vor aktiv. Was bewegt sie dazu, auch im hohen Alter beinahe jedes Wochenende eine Partie zu leiten?

Ach, ich bin es einfach seit vielen Jahren gewohnt, auf dem Platz zu stehen. Einfach Aufhören geht da nicht. Dann würde mir am Sonntag etwas fehlen. Außerdem tut mir die Bewegung gut. Ich fühle mich noch fit und habe eigentlich keine körperlichen Beschwerden. Und auch die Vereine sind nach wie vor mit mir zufrieden.

Verraten Sie uns Ihr Geheimnis, wie Sie auch mit 87 Jahren noch auf dem Platz können?

Ich denke, man muss schon auch etwas für das Schiedsrichterwesen leben. Egal, ob eine niederklassige Partie ansteht oder ein Juniorenspiel stattfindet. Man muss jede Partie mit der gleichen Motivation angehen und immer die beste Leistung abrufen. Dazu gehört auch eine professionelle Vorbereitung. Ich trinke zum Beispiel grundsätzlich am Tag vor einem Spiel keinen Alkohol. Und ich mache nebenbei auch noch viel Sport, damit ich in Form bleibe. Ich spiele jede Woche zweimal Tennis und leite die Fußballseniorenabteilung B beim SV Wielenbach. Da bin ich in jedem Training dabei, sonst würde es die Abteilung schon lange nicht mehr geben. Früher habe ich im Winter immer auch noch Eishockey gespielt, um fit zu bleiben.

Stimmt es eigentlich, dass Sie in Ihrer gesamten Laufbahn noch nie eine Partie abgesagt haben?

Das ist richtig. Egal ob ich krank oder verletzt war, ich bin zu jedem Spiel gefahren. Ansonsten hätte der Schiedsrichter-Obmann ja auch wieder viel Arbeit gehabt, um einen Ersatz zu besorgen.

Wenn man so viele Jahre als Schiedsrichter tätig ist, erlebt man sicherlich das eine oder andere Highlight. Was war das bei Ihnen?

Als Linienrichter durfte ich im Olympiastadion bei Spielen des FC Bayern München an der Seitenlinie assistieren. Ich war Assistent an der Haupttribüne. Wäre der Schiedsrichter ausgefallen oder hätte sich verletzt, hätte ich als Ersatzmann einspringen müssen. Aber ich habe auch viele Aufstiegsspiele und Lokalderbys auf regionaler Ebene geleitet. Da waren schon einige gute Spiele dabei.

Welche Veränderungen haben Sie im Schiedsrichterwesen wahrgenommen?

Für die jungen Referees wird heutzutage schon sehr viel getan. Es gibt Betreuer oder Schiedsrichter-Beobachter, die den jungen Spielleitern Hilfestellungen und Tipps geben. Das hatten wir früher nicht. Wir mussten uns oft alleine durchkämpfen.

Haben Sie in den 57 Jahren als Schiedsrichter eigentlich schon einmal mit dem Gedanken gespielt, die Pfeife an den Nagel zu hängen?

Eigentlich nicht. Ich möchte schon noch pfeifen, solange es die Gesundheit erlaubt. Wie gesagt, ich habe wenig Probleme. Es wundern sich immer wieder Leute, dass ich in meinem Alter noch Spiele leite. Oft gratulieren sie mir dann nach dem Spiel. Natürlich kommt es auch vereinzelt vor, dass jemand sagt: Wann lässt der es endlich bleiben? Das hört man natürlich nicht gern. Aber erst letztens war ich bei einem C-Junioren-Spiel im Einsatz. Die Jungs waren schon vor dem Spiel so froh, dass ich gekommen bin, die haben mich alle schon vor dem Einlaufen per Handschlag begrüßt. Jeder Einzelne. Das war für mich eine große Überraschung. Da waren so nette Spieler dabei, die einfach froh sind, dass ein Schiedsrichter kommt und das Spiel pfeift.

 

Vielen Dank für das Gespräch.

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