„Das ist eine grosse Zahl!“

250 Einsätze in der Bundesliga - diese bemerkenswerte Marke haben beispielsweise Franck Ribéry, Lars Stindl, Marcel Schmelzer oder Jérôme Boateng noch nicht erreicht, obwohl jeder Einzelne von ihnen seit vielen Jahren in Deutschlands höchster Spielkasse aktiv ist. Was für die Fußballprofis ein hartes Stück Arbeit ist, ist für die DFB-Unparteiischen ein noch längerer Weg, denn sie werden Woche für Woche nicht nur im Oberhaus angesetzt. Wenn FIFA-Referee Dr. Felix Brych am Samstag (ab 15.30 Uhr, live bei Sky) die Begegnung zwischen Werder Bremen und Hannover 96 leitet, hat er aber genau das geschafft: 250 Einsätze in der Bundesliga. Im DFB.de-Interview spricht der 43 Jahre alte Brych vor seinem Jubiläumsspiel mit Redakteur Arthur Ril über seine Erfahrungen aus 14 Bundesligaspielzeiten, ein festes Ritual und seine Zukunftspläne.

 

Dr. Felix Brych, Sie stehen kurz vor Ihrem 250. Einsatz in der Bundesliga. Das ist eine Marke, die bisher erst drei Schiedsrichter in Deutschland erreicht haben. Was bedeutet Ihnen diese Zahl?

Dr. Felix Brych:

Das ist eine große Zahl. Als ich damals in der Bundesliga angefangen habe, hatte ich diese Zahl natürlich nicht im Kopf. Diese Marke erreichen auch viele Spieler nicht, deswegen ist die Leistung vielleicht noch mal bemerkenswerter. Wir Schiedsrichter können in der Saison nie auf 34 Einsätze in der Bundesliga kommen, maximal auf 18 bis 20. Ich gehe jetzt in meine 15. Spielzeit. Das ist schon eine Leistung, auf die ich stolz bin.

 

Welche Erinnerungen haben Sie an Ihren ersten Bundesligaeinsatz am 28. August 2004?

Brych:

Ich kann mich noch ziemlich gut an mein erstes Spiel erinnern. Das war im Olympiastadion Berlin, Hertha gegen Mainz. Spieler wie Nico Kovac oder Fredi Bobic waren damals dabei, Jürgen Klopp war Trainer von Mainz 05. Der erste Bundesligaeinsatz war ein großes Ziel für mich als junger Schiedsrichter, und an diesem Tag habe ich es erreicht. Ich werde mein Bundesligadebüt immer in positiver Erinnerung behalten.

 

Was haben Sie in bisher 249 Bundesligaeinsätzen gelernt?

Brych:

Ich habe viel gelernt, vor allem mit Kritik umzugehen. Ich habe oft in mich reingehorcht und es so geschafft, besser mit meinem Körper und meiner Stimmung umzugehen. In so einer langen Zeit lernt man einiges über sich, weil man vieles mit sich selbst ausmachen muss.

 

Wie viele Schiedsrichtertrikots haben Sie über all die Jahre gesammelt?

Brych:

Alle zwei Jahre gibt es eine neue Kollektion, von jeder habe ich ein Trikot aufgehoben. Natürlich auch von besonderen Spielen wie von meinen Finals oder von den großen Turnieren. Auch wenn ich kein großer Sammler bin, gibt es schon Dinge aus meiner Laufbahn, zu denen ich emotional eine Bindung aufgebaut habe. Es sind auch ein paar Bälle dabei, aber nicht ganz so viele. Darüber hinaus habe ich die Angewohnheit, mir vor jeder Saison zwei neue Pfeifen im selben Laden in München zu kaufen. Schon früher als Jugendspieler habe ich mir dort meine Fußballschuhe gekauft, irgendwann waren es dann meine ersten Bundesligapfeifen.

 

Wie hat sich die Bundesliga verändert?

Brych:

Enorm. Das Spiel ist immer schneller und athletischer geworden. Das hat auch Einfluss auf uns Schiedsrichter in unserer Vorbereitung und in unserem Trainingsverhalten. Das Interesse des Publikums und der Medien ist deutlich größer geworden, als noch vor 15 Jahren - auch durch Social Media. Ich denke auch, dass die WM 2006 einiges verändert hat. Die Stadien sind alle tipptopp. In meiner Anfangszeit habe ich teilweise noch in Stadionbaustellen gepfiffen, das war ein etwas eigenartiges Gefühl. Heutzutage ist die Bundesliga ein Hochglanzprodukt, und dabei sein zu dürfen, ist immer noch eine große Ehre.

 

Vermissen Sie etwas aus Ihrer Anfangszeit?

Brych:

Die Unbekümmertheit. Am Anfang hat man sich nicht so viele Gedanken gemacht über das, was passieren kann. Mittlerweile ist das anders. Ich weiß, was passieren kann, wenn ich nicht so gut pfeife. Mittlerweile kann ich aber schneller abhaken, das ging früher nicht so. Ich habe als junger Schiedsrichter auch oft den Fehler gemacht, dass ich zu viel über mich gelesen habe. Das kann ich heute gut trennen und mich besser auf die neuen Aufgaben fokussieren.

 

Was unterscheidet den "Brych 2004" von "Brych 2018"?

Brych:

Natürlich die Erfahrung. Aber auch die körperliche Fitness, mit 28 hätte ich jeden Abend ein Spiel pfeifen können, das geht jetzt nicht mehr. Ich muss noch mehr auf meinen Körper achten und meine Spiele körperlich noch besser vorbereiten. Und auch die angesprochene Unbekümmertheit, am Anfang war in der Bundesliga wirklich jedes Spiel ein Fest.

 

Wie haben Sie Ihren Aufstieg von 2004 bis 2018 erlebt?

Brych:

Ich wurde recht schnell FIFA-Schiedsrichter, habe auch relativ schnell mein erstes Champions-League-Spiel gepfiffen. Das sind Momente, die ich nie vergessen werde. Ich hatte anfangs wenige Rückschläge. Es gab mal ein Pokalspiel im Schnee von St. Pauli gegen Bremen, danach bekam ich das erste große Medienecho zu spüren. Aber ansonsten kam ich recht gut durch. Das Phantomtor in Hoffenheim war dann das erste große Thema für mich. Leistungssport ist nach wie vor eine tolle Sache, die ich mit großen Emotionen verbinde. Ich habe meinen Aufstieg also auch ein wenig genießen können.

 

Was ist Ihr Erfolgsrezept?

Brych:

Ich habe immer versucht, einen offenen und transparenten Kontakt zu den Akteuren und den Offiziellen aufzubauen. Das war mir von Anfang an sehr wichtig. Ich habe die Spieler geduzt, obwohl das zu Beginn meiner Bundesligazeit unüblich war. Dadurch habe ich mir auch zu Schlüsselspielern gute Beziehungen aufgebaut, was in Stresssituationen nicht von Schaden ist. Über die Jahre hinweg ist es dann allerdings wichtig, dass man den Spielern nicht zu nahekommt. Man muss eine gewisse Distanz wahren und ein Wechselspiel aus Nähe und Distanz beherrschen.

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